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Derricks Altlasten
Derrick-Autor war strammer Nazi
Wer kennt ihn nicht: Den glubschäugigen Inspektor aus München, der nie seinen Wagen selber holen muß. Nun ist Oberinspektor Stefan Derrick sogar zu einem Seminarthema geworden. Am Institut für Film- und Fernsehwissenschaft beschäftigt sich das studentische Proseminar "Moral in der Serie" nicht mit dem Inspektor selber, sondern mit den ideologischen Hintergründen. Der Autor, Herbert Reinecker, war nämlich Mitglied der Waffen-SS und in führenden Positionen bei Hitlerjugend-Zeitungen.
Derrick ist ein einmaliges Phänomen in der deutschen Fernsehgeschichte - runde 270 Folgen, Verkauf der Senderechte in über 100 Länder, etwa eine Milliarde ZuschauerInnen weltweit. Die Serie hat - nicht zuletzt auch durch ihre Verwurstung in verschiedenen Satiresendungen - inzwischen Kultstatus erreicht.
Bei näherem Hinsehen lassen sich in Derricks endloser Geschichte aber auch bedenkliche Aspekte bemerken; das Verhältnis des Einzelnen zur Gesellschaft, das Frauenbild, die Darstellung von Randgruppen sind nur Beispiele für immer wiederkehrende ideologisch eingefärbte Charakteristika. Die AbweichlerInnen gilt es der rechtschaffenden Volksgemeinschaft einzugliedern, die Frauen sind häufig mundfaul und hilflos, Behinderte leben unselbstständig und weltfern, Intellektuelle neigen zu Drogenkonsum und Gewalt. Den meisten negativen Figuren in der Serie ist die Diskothek der liebste Aufenthaltsort; für die Sympathieträger in Derrick lobt es sich, bodenständigen Berufen nachzugehen und Vaters Anweisungen nicht zu hinterfragen.
Die Spur führt zu dem Autor, der alle Derrick-Folgen geschrieben hat und noch dazu als Autor von 97 Folgen "Der Kommissar", von "Jakob und Adele", diverser "Traumschiff"-Episoden und zahlreichen anderen Beiträgen des ZDF-Unterhaltungsprogramms über ein immenses Publikum verfügt: Herbert Reinecker. Reinecker war nicht nur Mitglied der Waffen-SS und Kriegsberichterstatter; er schrieb auch das Drehbuch zu dem Propagandafilm "Junge Adler" von 1944, den Derrick-Stammregisseur Alfred Weidemann inszenierte. Zuletzt war Reinecker Chefredakteur der Reichzeitschrift der Hitlerjugend "Junge Welt", und er schrieb am 5.4.1945 den letzten Leitartikel in der SS-Zeitung "Das schwarze Korps". Unter der Leitung der Studenten Daniel Hermsdorf und Oliver Baumgarten (beide sind auch für den "Schnitt" tätig) wird in dem Seminar dieser ideologische Hintergrund Derricks erforscht. Hier wird nicht nur der bereits erwähnte Film JUNGE ADLER unter die Lupe genommen, sondern anhand eines Readers, in dem Einzelanalysen von Derrick-Folgen und Hintergrundinformationen versammelt sind, das rechtslastige Gedankengut der Serie diskutiert.

