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Eine Zensur findet statt

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Zensur - das hat wohl jedeR schon mal gehört und alle finden es irgendwie nicht gut. Außerdem gibt es ja auch noch die vielbeschworene freiheitlich-demokrastische Grundordnung, und Zensur ist ja auch verboten. Aber sie findet statt, und in letzter Zeit nehmen staatliche Eingriffe wieder Überhand.

Ob es die Comics von Ralf König sind, ob es die Radikal ist, ob es Hanfzeitungen sind oder Plattencover: Der Staat beschützt seine Bürger wieder vor dem Schmutz und Schund. Doch Zensur - auch wo sind angebracht scheint (z.B. Kinderpornographie) - löst keine Probleme, sie blendet immer nur den Teil der gesellschaftlichen Realität aus, der dem Zensor nicht in den Kram paßt. Als 1962 der damalige Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß versuchte, dem SPIEGEL einen Maulkorb zu verpassen - ging ein Aufschrei durch die Republik. Durch die Spiegelaffäre kam den Menschen die Wichtigkeit der Meinungsfreiheit ins Bewußtsein. Doch nur für einen kurzen Augenblick. Denn Zensur ist in Deutschland allgegenwärtig.

Jugendschutz

Immer wieder ein gern benutztes Argument um Zensur auszuüben ist der Jugendschutz. Nur wird hier nicht nur die Jugend geschützt, sondern gleich alle anderen mit. Denn die zuständige Stelle, die �Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPS)� hat die Lizenz zur Indizierung. Die BPS wird nur auf Antrag von Dritten tätig, Antragsberechtigt ist das Bundesjugendministerium, die Landesjugendbehörden und die Jugendämter. Entscheidet sich das 11-köpfige Gremium für eine Indizierung, darf die entsprechende Publikation nur noch unter dem Ladentisch vertrieben werden. So kommt die gefährdete Jugend nicht mehr an die indizierte Ware - aber auch alle anderen, mündigen BürgerInnen, kommen nicht mehr dran. Der Verkauf unter dem Ladentisch ist also de facto ein Vertriebsverbot - was in den meisten Fällen das wirtschaftliche Aus bedeutet.

Viele Menschen benutzen nun diesen Weg, um unliebsame Publikationen loszuwerden. So sollten zum Beispiel Comics von Ralf König (�Der bewegte Mann�) indiziert werden: Der unverkrampfte Umgang mit Schwulen paßte wohl einigen konservativen Zensoren nicht ins Weltbild. Vor zwei Wochen scheiterte auch der Versuch, das Marijuana Magazin �Grow!� zu indizieren. Ein gewisser Michael Brenner vom Verein Mensch Umwelt Tiere e.V. hatte sich an das Landratsamt in Heidelberg gewandt. Es ging ihm um die �Drogenzeitung�, die ihm ein Dorn im Auge war - immerhin macht die �Bundesregierung schon seit längerem Werbung gegen Drogen�. In der Zeitung werde �massiv Werbung für den Gebrauch von Haschisch� gemacht. Auch das Kreisjugendamtes des Rhein-Neckar-Kreises hielt die Zeitschrift für �sozialethisch desorientierend� und beantragte die Indizierung. Doch �grow!� hatte Glück gehabt. Die Argumentation, daß Aufklärung �weder etwas mit Verharmlosung noch mit Übertreibung zu tun� hat, wurde von der BPS anerkannt und die Indizierungsanträge wurden abgewiesen. Weniger Glück hatte vor Jahren der Film �Tanz der Teufel�. Ohnehin schon ab 18 freigegeben wurde er auch verboten. Durch die brutalen Abschlachtszenen soll er die Würde des Menschen verletzt haben. Aber auch hier waren die Produzenten nicht ruhig zu stellen und gingen den Beschwerdeweg - bis das Bundesverfassungsgericht die Indizierung aufhob. Beispiele über Indizierungen gibt es wie Sand am Meer - viele davon scheinen aus Jugendschutzgründen gerechtfertigt, doch steht die Frage nach dem Sinn noch im Raum. Wer sich noch an seinen alten Commodore 64 erinnern kann, der weiß, daß gerade die Programme �in� waren, die auf dem Index standen. JedeR kam ohne Probleme an diese Programme.

Fazit

Eine Zensur findet statt. Auch wenn Sie offiziell nicht Zensur genannt wird. Doch was bringt die Zensur überhaupt? Will mensch zensieren, dann nicht ohne Grund: Ob es rechte Internet-Seiten sind, ob es Anleitungen zum Bombenbau sind oder harmlose Comics; eine bestimmte Interessengruppe hat ein Interesse etwas zu verbieten. Aber durch z.B. die Sperrung von rechten Homepages im Internet ist man das Problem des Rechtsradikalismus nicht los. Denn Zensur setzt nur bei den Symptomen an. Die gesellschaftlichen Probleme, die so etwas verursachen, werden nicht gelöst. Ganz im Gegenteil, das Verbotene macht die Seiten noch interessanter. Statt Geld in einen Zensurapparat wie die Bundesprüfstelle zu stecken, sollte man solches Geld lieber sinnvoller verwenden. Warum neigen den Jugendliche zu Gewalt, warum werden Kinderpornos angeschaut, warum gibt es Nazi-Pages im Internet? Die Gründe sind wohl nicht die verwerflichen Schriften und Bilder. Wenn der Staat Jugendschutz ernst nimmt, sollte er dafür sorgen, daß sich die Umwelt der Jugendlichen bessert, aber nicht für sie auswählen, was sie sehen dürfen.