Weitere Texte in dieser Rubrik
Held der Popkultur: Apu (aus den SIMPSONs)
HeldInnen der Popkultur: 2. Folge
Inder sind ja in letzter Zeit ins Interesse der Deutschen gerückt. Durch die rassistische Kampagne von Jürgen Rüttgers, den Studierenden noch als unfähiger Bundesbildungsminister in grausiger Erinnerung, rückten die Inder ins Interesse der deutschen Medien. Der eine wollte "Kinder statt Inder", der andere will lieber Inder statt Kinder, aber nur mit GreenCard. Die Inder sind also gerade das Gesprächsthema Nummer Eins.
Doch was kriegen wir eigentlich geboten? Es sind Stereotypen, der "Computer-Inder" macht dem "Computer-Russen" Platz, der gemeine Inder schlechthin saugt mit der Muttermilch die Fähigkeit auf, gute Programme zu schreiben und den Computer aus dem Eff-Eff zu beherrschen. Und jetzt brauchen wir wohl diese Inder und einige Personen sind damit wohl nicht ganz glücklich. Bisher kannte man GastarbeiterInnen in Deutschland nur in solchen Berufen, für die die Deutschen sich zu schade sind: als Putzfrauen, Männer von der Müllabfuhr und all solche Berufe. Hier und da mal eine Döner-Bude oder ein chinesiches Restaurant - um den Schein der Toleranz nach außen zu wahren. Doch jetzt sehen Rüttgers & Co. plötzlich eine Gefahr für die deutsche Identität - immerhin sollen GastarbeiterInnen in die Intelligenzelite der Deutschen eindringen, nicht mehr Drecksarbeit machen, sondern Deutschlands Position in der Wirtschaft sichern - deshalb fordert Rüttgers "Kinder statt Inder". Aber auch der Kanzler, der die Inder ja will, ist nicht besser: Er will nur die Informationselite ins Land holen, die ’normalen’ Ausländer sollen nach des Kanzlers Willen da bleiben, wo der Pfeffer wächst, in Ruhe Kühe anbeten und Teppiche knüpfen.
Grund genug für uns, aus diesen rassistischen Sterotypen auszubrechen und einen dieser Inder prominent hervorzuheben und mit dem Titel "Held der Popkultur" auszuzeichnen. Apu Nahasapeemapetilon, gehört wahrscheinlich zu den bekanntesten indischen Personen - eine ähnliche Popularität hat höchstens noch Mahatma Gandhi, der immmer um Frieden hungernde Guru der gewaltlosen Bewegungen. Doch Apu ist anders als Gandhi und Apu ist anderes als der gemeine "Computer-Inder". Apu hat in der spießigen, netten Stadt Springfield einen kleinen Laden namens "Qwik-E-Markt", in dem er allerlei Waren feilbietet. Der studierte Doktor der Philosophie ist Vegetarier und hat einen geheimen Garten (der Zugang ist hinter dem Kühlschrank mit dem alkohlfreien Bier versteckt), in dem er zusammen mit Paul und Linda McCartney schon mal Lisa Simpson über vegetarisches Essen aufklärte. Aber auch Apu geriet schon häufiger ins Visier der Behörden, in einer Folge lief sein Visum für die USA aus, aber er schaffte es dann, Bürger der Vereinigten Staaten zu werden. Apu ist - wie fast jeder Charakter bei den Simpsons - eine hervorragend ausgearbeitete Figur mit Ecken und Kanten, mit Spleens und Merkwürdigkeiten - kurzum ein Gegenkonzept zu den Stereotypen, die Schröder, Rüttgers & Co zeichnen.

