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Held der Popkultur: Carl Friedrich Gauß

HeldInnen der Popkultur: Folge 3

Er gehört zu den bekanntesten Gesichter, die man kennt. Fast täglich sieht man ihn, fast jeder Mensch trägt sein Bild im Portemonnaie herum und die meisten wissen gar nicht wer er ist. Die Rede ist von Carl Friedrich Gauß. Irgendwie muß der junge Herr auf dem Zehn-Mark-Schein was mit Mathematik zu tun haben, die Formel auf der Vorderseite gibt uns da wohl erste Hinweise. Jetzt langsam dämmert�s: War das nicht dieser kleine Junge aus dem Matheunterricht, der so furchtbar schnell die Zahlen von 1-1000 zusammenzählen konnte, der Junge von dem der Mathelehrer immer vorschwärmte und daß die heutige Jugend im Vergleich dazu ja so orientierungslos sei. Oder ist es der Gauß, nach dem der allen Photoshop-UserInnen bekannte "Gaussche Weichzeichner" benannt ist? Stimmt alles, dieser Gauß ist es. Ein wirklich bekannter Mathematiker, der wohl richtig gut rechnen konnte.

Und da rechnen ja irgendwie was mit Geld zu tun hat, dachten sich die Designer bei der Deutschen Bundesbank, den Jungen könnte man doch gut auf dem Zehn-Mark-Schein unterbringen. Und Geld ist ja erst neulich ins Gerede gekommen: Die Kultusministerkonferenz hat nämlich beschlossen, daß Studieren in Deutschland zukünftig nicht mehr kostenlos ist. Um der Flut von sogennanten Langzeitstudierenden Herr zu werden, die wertvolle Cafeten-Plätze besetzen, wie Heuschreckenherden über die sozialen Sicherungssysteme herfallen und auch noch im 32. Semester versuchen mit dem Studi-Ausweis ermäßigt ins Phantasialand reinzukommen, um diesen Bodensatz der Gesellschaft einzugrenzen, sollen die Länder künftig Gebühren erheben. Entweder nachdem eine bestimmte Anzahl von Semestern oder nachdem eine bestimmte Anzahl von Veranstaltungen besucht worden ist, lautet die Devise: Erstmal Bares auf den Tisch.

Es ist eigentlich egal, wie die einzelnen Modelle genau funktionieren, klar ist nur, daß Studierende, die sich längerals erwünscht, an der Uni aufhalten, demnächst Geld für ihr Studium bezahlen müssen.

Okay, denken sich jetzt einige, wenn jeder Studi Geld blecht, dann kriegt die Uni auch mehr Geld und alles wird gut: bessere Lehre, mehr Bücher und noch billigeren Kaffee in den Cafeten. Doch dem ist nicht so: Der Staat zieht sich nämlich immer mehr aus der Affäre, was an neuem Geld reinkommt, wird auf der anderen Seite wieder gekürzt: ein Nullsummenspiel. Und dann gab es da auch noch etwas: Bildung wurde mal als Rechtsanspruch, als Grundrecht angesehen, jedeR sollte Zugang zu Bildung haben, immerhin hat die Gesellschaft ja auch was davon, wenn es möglichst viele gebildete Menschen gibt. Doch jetzt wird Bildung nur noch als Ware angesehen, die Studierenden sind die KonsumentInnen und alles funktioniert wie im Supermarkt. Das Problem ist nur: nicht jeder kann sich alles im Supermarkt leisten, einige können sich sogar gar nichts im Supermarkt leisten. So wird es dann auch bei der Bildung sein: Nur diejenigen, die Geld haben, können sich in Zukunft Bildung leisten. Aber, aber - das Erststudium soll doch gebührenfrei sein, mag der kritische Zeitgenosse anmerken. Nein, nicht das Erststudium, sondern nur eine bestimmte Zeit an der Universität bleibt kostenlos. Wenn Studierende arbeiten müssen, um ihr Studium zu finanzieren (und das tut die Mehrzahl), dann verlängert sich das Studium. Und ein längeres Studium kostet Geld. Deshalb wird es sich mit der Zeit einschleichen, daß arme Menschen von der �höheren Bildung� ausgeschlossen werden.

Und warum sollen Langzeitstudierende überhaupt Gebühren bezahlen? Weil der Malocher im Opel-Werk oder die Krankenschwester in der Nachtschicht den faulen Langzeitstudi mit ihren Steuergeldern durchfüttern? Auch diese Auffassung gehört ins Reich der Legenden. Das Deutsche Studentenwerk hat in einer ziemlich umfassenden Studie nämlich mit diesem Mythos aufgeräumt und vorgerechnet, daß die Studierenden sich nicht durch die Steuergelder anderer durchschmarotzen, sondern in ihrem späteren Leben selbst wieder durch Steuern das dem Staat wiedergeben, was sie ihn gekostet haben.

Und damit wären wir wieder bei Gauß, dem Rechenkünstler. In den Zeiten von Zahlenfuschern wie Zöller, Berninger, Trotha, Möllemann und sonstigen Bildungspolitikern ist es an der Zeit wieder einen Helden zu küren, der richtig rechnen konnte: Deshalb wird Carl Friedrich Gauß postum zum Helden der Popkultur ernannt und wir hoffen natürlich, daß das Antlitz des Vorzeige-Mathematikers die StudiengebührenbefürworterInnen zum Nachdenken oder besser zum Nachrechnen bringt und im Endeffekt herauskommt, daß Studiengebühren doch ziemlicher Quatsch sind.

P.S.: Wer nicht auf die imaginäre Kraft von Gauß vertraut, sollte lieber mit uns auf die Straße gehen: Am 7. Juni findet in Deutschland zeitgleich in Köln, Berlin und Stuttgart eine Demo gegen Studiengebühren statt. Alle Bochumer Studierenden sollten da natürlich auch hin: Treffpunkt ist der Bochumer Hauptbahnhof um 11.00 Uhr, wir fahren dann mit dem RE um 11.26 Uhr Richtung Köln. Mehr Infos gibt�s beim Aktionsbündnis gegen Studiengebühren: www.studis.de/abs

Am 7. Juni 2000 demonstrierten 2000 Studis in Köln gegen Studiengebühren, bundesweit waren es ca. 10.000.