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Rezension "Freie Netze"

Es liegt was in der Luft....

Vom drahtlosen Surfen hat inzwischen wahrscheinlich schon jedeR was gehört. Im Bermudadreieck konnte man im Sommer für lau ins Internet und HackerInnen haben im War-Driving (dem Finden von ungesicherten Funknetzwerken) einen neuen Sport gefunden. Doch es gibt nicht nur kommerzielle Funkprojekte, sondern auch eine Bewegung, die sich für „freie Netze" einsetzt. Genau diese stellt Armin Medosch in seinem neuen Buch vor.

Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff der „freien Netze"? Erstmal sind damit Funknetzwerke gemeint, also Netzwerke frei von allen Kabeln. Aber auch frei von Gebühren, Zensur und der üblichen KonsumentInnenrolle. Die Idee ist ganz einfach: Menschen, die einen Breitband-Internet-Zugang haben, teilen diesen per Funknetz mit ihrer Nachbarschaft. Andere in der Nachbarschaft tun dies auch oder klinken sich in das bestehende Funknetzwerk mit ein und vergrößern es. So entsteht im Idealfall eine Datenwolke über einem Stadtteil, in der jedeR nun kostenlos Zugang zu einem Breitband-Internetanschluss hat. Da dies in der Praxis aber technisch schwieriger umzusetzen ist, als es sich auf den ersten Blick anhört - es müssen z.B. Antennen gebaut werden und alte Computer als Zwischenstationen wieder flott gemacht werden - bastelt eine „Community" quasi ihr eigenes Netzwerk und wird so selbst zum Produzenten.

Armin Medosch, bekannt als Redakteur und Mitbegründer beim Online-Magazin TELEPOLIS (www.heise.de/tp), wohnt in London. So beginnt seine Einführung in die „freien Netze" in der Themse-Metropole. Aus einer Mikro-Perspektive werden die ersten Entstehungsschritte von freien Netzen im Londoner KünstlerInnenviertel Clink Street erzählt. Dabei stehen nicht die technischen Aspekte im Vordergrund - es gibt zwar eine kurze Einführung in die Technik drathloser Netze, doch wer ein Handbuch zum Aufbau eines solchen erwartet, hat zum falschen Buch gegriffen. Hier wird, wie es auch der Untertitel des Buches andeutet, der Schwerpunkt auf die Geschichte, Politik und Kultur der offenen W-LAN-Netze gelegt.

Drahtlos weltweit

Über die lokale Londoner Projekte hinaus zeigt Medosch dann auch Beispiele aus den USA, aus Deutschland und auch, wie freie Netze in Schwellen- und Entwicklungsländer für einen elektronischen Datenaustausch genutzt werden können. Hier steht dann weniger der reine Internetzugang im Vordergrund, sondern auch Kommunikationsdienstleistungen wie die Telefonie per Netz (Voice-over-IP) sind hier ohne große Verkabelung und Rieseninvestitionen möglich.

Politische Netze

Eins haben der größte Teil der Menschen, die hinter dem Aufbau der freien Netze stehen gemeinsam: sie haben einen politischen Anspruch an die freien Netze. Im Vordergrund stehen hierbei der selbstverantwortliche Umgang mit der Infrastruktur (Aufbau, Erhaltung und Sicherheit des freien Netzes), die Nutzung von freier Software und die Forderung nach freien Frequenzen. Und natürlich die Möglichkeit, Menschen den Zugang zu Breitband-Kommunikationsdienstleistungen zu ermöglichen, die üblicherweise von solchen Ressourcen ausgeschlossen sind - meist durch finanzielle oder soziale Gründe. So sind viele Projekte in Großbritannien in unterprivilegierten Stadtteilen entstanden.

Utopie - quo vadis?

Das Buch von Armin Medosch ist eine sehr gute Einführung in die Szene der freien Netze. Man merkt dem Buch an, dass der Autor selbst in der Szene aktiv ist und mit dem Aufbau der freien Netze viele Hoffnungen verbindet. Doch er selbst sagt, dass es noch offen ist, wie sich diese weiterentwickeln. Hoffen wir, dass die freien Netze nicht dasselbe Schicksal erleiden wie die „digitalen Städte", die vor Jahren mit ähnlicher Zielsetzung und ebenso viel Enthusiasmus gegründet wurden und inzwischen nur noch digitale Ruinen sind.

Armin Medosch: Freie Netze. Geschichte, Politik und Kultur offener WLAN-Netze. Verlag Heinz Heise, 16,00 EUR