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Star Wars ist wieder da!
Geschichte, Tricks und Hintergründe des Mythos
Auf der Leinwand die Unendlichkeit der Sterne. Aus den 6-Kanal-THX-Boxen tönt kristallklar die Star-Wars-Hymne. Am unteren Leinwandrand erscheint die bekannte Schrift. Die Spannung im Kino löst sich, das Publikum bricht in Jubel aus. Nach 16 Jahren ist der Krieg der Sterne zurück. Die Saga um Jedis, Macht und C-3PO geht in die nächste Runde.
In dieser Galaxis vor nicht all zu langer Zeit. Wir schreiben das Jahr 1977. Die Zeit der großen Hollywood-Studios war vorbei, seit ’Easy Rider’ bestimmt das New Hollywood das Bild. Junge Regisseure, unabhängig produzierte Filme. Das Science-Fiction-Genre liegt abgeschlagen am Rand. Der letzte große Film war Stanley Kubricks ’2001’. Der junge George Lucas, ein Vertreter des New Hollywood , bisher durch den Film ’American Graffiti’ bekannt, hat gerade unter schwierigsten Bedingungen einen neuen Science-Fiction-Film gedreht. Eine verwirrende Story um Jedi-Ritter, Todessterne und dem Kampf einer intergalaktischen Rebellion gegen ein übermächtiges Imperium. Der Etat von 8,5 Millionen Dollar wurde um über drei Millionen Dollar überschritten, der Regisseur Lucas erlitt einen Nervenzusammenbruch, das Studio befürchtet hohe Verluste, ScFi-Filme liefen noch nie gut. Am 25. Mai 1977 war George Lucas gerade damit beschäftigt, die internationalen Versionen von Star Wars zu schneiden. Er hatte vergessen, daß an diesem Tag der Starttermin von ’Star Wars’ war. Als er etwas Essen gehen wollte, waren rund um die Kinos lange Schlangen; Lucas schaute und sah, daß die Menschen für ’Star Wars’ anstanden. Der Film wurde ein Erfolg. Er übertraf nicht nur die Erwartungen Lucas und des Studios, er war auch das Ende der New-Hollywood-Ära, er war der Beginn der Blockbuster und der Mercandising-Kampagnen - dieser Film revolutionierte das Kino.
Aus der Trickkiste
Mit ’Krieg der Sterne’ begann die Wiedergeburt des Special-Effect-Kinos, und wandelte sich über mehrere Schritte wie ’Abyss’, ’Terminator 2’ vom analogen zum digitalen Kino. Im neuen Star-Wars-Film ’Episode 1’ wurden 95 Prozent des Filmmaterials digital bearbeitet, die Zeit der Bildchemie weicht den Pixeln. Als der erste Star-Wars-Film produziert wurde, stand George Lucas vor einem großen Nichts. Die Zeit der Stop-Motion-Animationen eines Ray Harryhausen war abgelaufen und George Lucas wollte Szenen zeigen, die nie zuvor im Kino zu sehen waren. Mit dem Ende der großen Hollywood-Studios fanden vor allem die Spezialeffekt-Abteilungen ihr Ende. Trickkameras, optische Spezialapperaturen verschwanden in Lagern oder auf dem Müll. Fachpersonal wanderte nach Europa aus - die handwerkliche Tradition der Spezialeffekte war zerstört. Mit der inzwischen berühmten Firma Industrial Light 6 Magic (ILM) wollte Lucas die Magie der Spezialeffekte wiederbeleben. Die MitarbeiterInnen von ILM gruben in Lagerhallen alte Kameras, Linsen und Kopierer aus und verbesserten die alte Technik. Das von John Dykstra erfundene Dykstraflex-System war eine solche Hybridtechnik - alte Mechanik mit moderner Computersteuerung. Mit dem Dykstraflex-System war es möglich, immer wieder gleiche Kamerabewegungen zu wiederholen und so mehrere Teile (Raumschiffe, Planeten) exakt aus der gleichen Position mit der gleichen Bewegung abzufilmen. Dies machte die dynamischen Bilder von ’Star Wars’ erst möglich. Die Computersteurung dieses Systems wurde 1976 entwickelt, lange bevor es überhaupt PCs gab. Durch den kommerziellen Erfolges des Filmes und der Merchandising-Produkte konnte ILM immer mehr Geld in die Entwicklung neuer Technologien stecken. Die Computertechnik verbesserte sich immer mehr und wurde auch immer mehr im Film eingesetzt. Doch sie diente bisher eher der Steuerung der mechanischen Teile, Bildbearbeitung mit dem Computer war technisch noch nicht möglich. So entstanden auch die zwei Nachfolgefilme ’Das Imperium schlägt zurück’ und ’Rückkehr der Jedi-Ritter’ mit meist mechanischen Tricks. Computeranimiert war eigentlich nur die Animationen des Todessterns mit denen den Rebellen in den Briefing-Szenen im ersten und dritten Teil die fachgerechte Demontage des Todessterns nahegelegt wurde. 1983 war das vorläufige Ende der Star-Wars-Reihe. George Lucas schwor sich, Fortsetzungen erst dann zu drehen, wenn die Computertechnik es erlaubt, seine Traumbilder zu verwirklichen.
Mit Dinosauriern ins High-Tech-Kino
Die Entwicklung der Bildbearbeitung im Computer wurde in den nächsten Jahren entwickelt und immer schneller verbessert. 1985 tauchte im Film ’Die Abenteuer des jungen Sherlock Holmes’ das erste dreidimensionale vom Computer erzeugte Wesen auf: Ein Ritter, der sich aus den Glasscheiben eines Kirchenfensters zusammensetzte. 1989 wurde in ’Indiana Jones - Der letzte Kreuzzug’ die erste komplett mit dem Computer berechnete Morphing-Sequenz gezeigt, der Bösewicht Donovan alterte binnen Sekunden zum verwesten Skelett. Doch die Computertechnik hatte noch ihre Tücken. Es klaffte eine Lücke zwischen den kreativen Filmleuten und den Programmierern, die die Visionen in Programmcode umzuwandeln hatten. Die Ergebnisse der Programmierung wurden teilweise erst nach aufwendigen Berechnungen sichtbar. Dies änderte sich als zwei ILM-Mitarbeiter ein Programm entwickelten, mit dem man Bilder in bisher ungeahntem Ausmaße bearbeiten konnte. Das Programm wurde unter dem Namen Photoshop bekannt, wird heute auch bei der BSZ benutzt und hatte seinen ersten Einsatz im Film ’Abyss’ (1989). In diesem Film wurde zum ersten Mal Wasser realistisch mit dem Computer generiert. Bei ILM wurde die Arbeit immer weiter auf Computer umgestellt und mit ’Terminator 2’ und ’Jurassic Park’ fanden Computer generierte Bilder (CGI) ihren vorläufigen Höhepunkt. Über 500 Silicon-Graphics-Workstations arbeiten inzwischen für ILM und nach Jurassic Park war Lucas klar, daß die Computertechnik nun soweit ist, daß es eine Fortsetzung von Star Wars geben kann. Im neuen Film ’Episode 1 - The Phantom Menace’ werden über 2000 Spezialeffekte zu sehen sein - im ersten Star-Wars-Film 1977 waren es noch 365 Spezialeffekte. Und wenn in der Schlußszene über 7000 Computergenerierte Wesen gegeneinander kämpfen, ist klar: das digitale Zeitalter ist angebrochen. Selbst das hochauflösende Kinobild läßt sich inzwischen beliebig manipulieren.
Die Macht und der Klassenkampf
Der Erfolg des ersten Films beruhte auf verschiedenen Aspekten. Natürlich waren die Bilder atemberaubend, die Musik erinnerte an die großen Hits wie Ben Hur, aber das kann doch nicht alles sein? Die Geschichte, die im Krieg der Sterne erzählt wurde war eine Geschichte, die auch schon Menschen vor Jahrhunderten begeisterte. Sie bietet Versatzstücke aus Romantischen Erzählungen die vom 12. Jahrhundert bis hin in die 30er Jahre dieses Jahrhunderts reichen. Die Grundidee dieser Erzählungen: Einfache Menschen versuchen, innerhalb des sozialen Gefüges aufzusteigen. Mittels Kämpfe unter dem Banner Gottes oder des Staates (meist symbolisiert durch eine aristokratische Frau) können so einfache Menschen in die unter Schicht der Aristokratie aufsteigen. Die Hierarchie wird nicht in Frage gestellt, es geht nur darum, die Karriereleiter möglichst hoch zu klettern. Zwar könnte man noch einen gewissen revolutionären Ansatz darin erkennen, die sozialen Grenzen zu durchbrechen, aber im Endeffekt wird das existierende System von Aristokratie und Sklaverei unterstützt. Insofern sind solche romantischen Erzählungen zwar auf den ersten Blick revolutionär, in Grunde genommen aber struktur-konservativ. Dies ist auch bei der Star-Wars-Saga nicht anders. Der einfache Bauernjunge Luke steigt auf in die höheren Weihen der Jedi-Ritter, die Macht ist stark bei ihm und schließlich muß er sein Können darin beweisen, erst mal eine Prinzessin zu retten, dann das ultimative Instrument des Imperiums, den Todesstern zu zerstören, um schließlich durch die gerettete Prinzessin die heißersehnte Medaille und damit den Aufstieg in eine höhere Klasse geschaffen zu haben. Hier erleben wir Lukes ganz persönlichen ’Triumph des Willen’, so heißt nämlich der Film von Leni Riefenstahl über den Nazi-Reichsparteitag 1935, wo Hitler, Himmler und andere Nazigrößen in ähnlicher Position stehen. Die in Reih und Glied geordneten Soldaten der Nazis/der galaktischen Rebellion stehen wie ein Mann da und salutieren - bei solchen faschistischen Bildern fragt man sich: wie gut ist die Rebellion wirklich und ist das Imperium das Böse? Klarer Fall: Darth Vader ist schwarz gekleidet, das Interieur des Todessternes ist technisch-kühl, Luke und Leia tragen weiße Klamotten und die warmen Farben auf Tatooine machen es auch für den größten Trottel sichtbar: So einfach wurde schon lange nicht mehr mit Schwarz-Weiß gespielt. Doch neben der Farbgestaltung ist es eigentlich nur die Macht und der Kampf um die Alte Republik, die Gut und Böse unterscheiden läßt. Genau wie der Todesstern den Planeten Alderaan zerstört, wird nachher in ähnlicher Aufmachung der Todesstern zerstört, der Gewalt des Bösen wird nur eine Gewalt des guten gegenübergestellt. Wer also ohne Atemmaske und im Auftrag der alten Republik unterwegs ist, ist ob er nun mordet, brandschatzt oder Sterne zum Explodieren bringt gut, wer das nicht tut ist böse. Man könnte fast den Eindruck gewinnen, die Bösen sind nur da, um die Handlungen der "Guten" zu rechtfertigen.
Rassismus im Krieg der Sterne
Auch das Thema Rassismus wird in der Saga behandelt und erhält in den neuen Filmen eine neue Dimension. War im ersten Teil der Wirt in der Mos-Eisley-Kneipe noch der offensichtliche Rassist ("Roboter werden nicht bedient"), bedienen sich eigentlich alle Figuren im Krieg der Sterne rassistischer Motive. Da sind die beiden Androiden R2-D2 und C-3PO, die zwar denken und fühlen können, aber ohne Hinterfragen treue Diener sind, deren Sinn darin besteht, die höheren Rassen zu unterstützen. Auch der Wookie Chewbacca ("UuuHuuHuuU") hat eine solche Rolle abgekriegt: Er kämpft stets an der Seite der Helden, würde aber wohl nie zum General ernannt werden oder eine führende Position übernehmen. So geht er in der Riefenstahl-Szene auch leer aus, nur die männlichen, menschlichen Helden kriegen die Medaillen. In der neuen ’Episode 1’ erfahren wir noch ein wenig mehr über die Jedi-Ritter: Ob man eine hohe Affirmation zur Macht besitzt hängt vor allem davon ab, wie hoch die Konzentration von Midochlorin im Blut ist. Bitte was? Galt die Macht bisher als Gottersatz, als überirdischer Mythiszismus, spielen jetzt nur noch die Blutwerte der Helden eine Rolle? Jedi-Ritter nur noch mit vorgelegtem Arier-Nachweis?
Episode 1 - das Ende des Mythos’?
Dies ist nicht die einzige Härte beim neuen Star-Wars-Film. Der computer-generierte Charakter Nar-Nar kommt zwar im ganzen Film über vor, hat aber nur am Ende eine wichtige Rolle, andere trangendere Charaktere haben weitaus weniger Zeit. Weiterhin sind die Außerirdischen bei Lucas stereotyp gezeichnet. So sind die ’bösen’ Neimoidians nicht nur eine Anspielung auf Asiaten, die Wattoo mit ihren großen Nasen sollen wohl eine Reminiszenz an die Afroamerikaner aus ’Onkel Toms Hütte’ oder ’Vom Winde verweht’ sein. Tricktechnisch kann der Film durchaus begeistern, aber vielleicht ist auch manchmal weniger mehr. Trotz aller Kritik, trotz oder gerade wegen den konservativen Grundmustern in der Geschichte, auch der neue Star Wars Film wird ein Blockbuster sein. Seine digitale Tricktechnik ist ein weiterer Meilenstein im digitalen Kino. Für manche alte Fans, die in Star Wars einen Teil ihrer Jugend sehen, kann der Film enttäuschend sein, oder ein weiterer Blick in das Star-Wars-Universum. Ab dem 19. August hat jeder/jede die Möglichkeit sich ein eigenes Bild zu machen. Möge die Macht oder die Mitochlorin-Konzentration mit euch sein!

